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Münster-Marathon 2009 von Daniel Ewald

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Münster-Marathon 2009: Wenn vor lauter Tränen die Luft wegbleibt von Daniel Ewald

 Genau 18 Wochen ist es her, dass sich der Gedanke mal wieder einen Marathon zu rennen bei mir hartnäckig festgesetzt hat. Münster im September schien da die richtige Wahl. Zumindest sagte mir das im Hinblick auf eine intensivere Vorbereitung der berufliche und private Terminkalender.
Bestzeit soll es sein und dann auch gleich unter 2.50h. Der sagenumwobene Greif-Countdown als Richtschnur für die Trainingssteuerung. Man ist ja experimentierfreudig. Bleibt nur das mulmige Gefühl, in den letzten 2 Jahren nicht so wirklich regelmäßig trainiert zu haben. Aber egal. Volles Risiko. Von Woche zu Woche läuft es besser. Besonders in Erinnerung sind mir die 35 km Trainingsläufe mit meinem Laufpartner Frank Zubovicz. Echte Schlüsseleinheiten waren das. Auch meine Ernährungsumstellung („no white“) griff. 67 Kilo, eine neue Leichtigkeit beim Laufen. Nur die Knochen mochten der plötzlichen Trainingsintensivierung nicht so Recht folgen. Hier ein spezieller Dank an Physiotherapeut Stefan Dolle fürs kurzfristige beheben der Baustellen.  
 
Der Lauf
Münster, 9 Uhr, ideale Bedingungen, 13 Grad, grauer Läuferhimmel. Passt. Ein letzter großer Schluck aus der Wasserflasche. Rein in den Startblock, raus aus der Jacke, diese dann an meine liebe Freundin hinter der Absperrung übergeben und warten auf den Start. Der sich etwas verzögert, weil sich direkt vor uns die Kenianer/innen noch eilig Socken und Schuhe anziehen müssen. Diese schienen mir frisch aus dem Karton gegriffen. Von wegen Schuhe einlaufen... sehr amüsant.
Start, zunächst die übliche Unruhe mit Tempowechseln und hin- und hergehoppel, bis sich bei KM 5 eine kleine Gruppe von etwa 8 Leuten beim 4er-Schnitt eingependelt hat. Einfach mal reinhängen und gucken was geht... 10 km in 39.40 schienen gewagt, aber die Gruppe verlassen... nein. Bei km 11 dann eine freudige Begegnung mit Frank Rohmann, der tatsächlich mit dem Rad gekommen war. Im Verlaufe des Rennens sollte mir seine Begleitung ein wahrer Segen sein. Beim Halbmarathon noch unter 1.24 h begann zu meiner Verwunderung die Gruppe zu schwächeln. Soll ich jetzt echt rausziehen... Klar. Frank, der auf dem Rad das Geschehen verfolgte, mahnte unermüdlich jetzt nicht zu überpacen. Doch egal. Mein Tag, mein Rennen, auf geht’s. Schnitt dann runter bis auf 3.52, doch bei km 30 schnell wieder auf 4 Minuten. Die Muskeln zucken, Vorsicht. Von Gruppe keine Spur. Ich bin allein. Nur Frank treu radelnd an meiner Seite. Dann am Horizont Läufer. Ich sammle ein. Darunter einige Elite-Frauen. Bei km 33 sinkt der Schnitt: Der km in 4.14. Frank schaut kritisch: „ruh dich aus, du hast genug Polster.“ Nein verdammt, denke ich. Volle Kraft voraus wieder auf stabile 4 Minuten. Echt brutal. Bei km 36 setzt fieser Wind und leichter Regen ein und immer noch bin ich ganz allein. Dann überkommt mich auch noch so ein emotionaler Flash. Tränen kullern... Die Atmung gerät aus den Fugen, die Luft bleibt weg. Also, ruhig bleiben, konzentrieren und weiter rennen. Bei km 38 schreit Frank mich vom Fahrrad aus an. „Junge jetzt alles Rausholen, Vollgas.“ Halt die Fr... denke ich, aber es gibt mir Kraft. Der Schnitt steht noch bei 4 Minuten. Bei km 40 dann beginnt der sehr lange „Zielkanal“ in Münster. Frank dreht ab und ich bin allein. Die vielen Zuschauer helfen. Mit letzter Kraft schleppe ich mich in 2.48,22h überglücklich ins Ziel. Jetzt darf dann auch ohne jedes Risiko eine echte Freudenträne kullern... Marathon laufen ist und bleibt etwas ganz Besonderes.