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48. RWE-Marathon "Rund um den Baldeneysee" von Dieter Pelzer

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Viele Läufer kennen das: vor dem großen Wettkampf fühlt man sich plötzlich nicht mehr gut, man bildet sich ein, die Formkurve geht nach unten und wäre der Wettkampf vor 3 Wochen gewesen, wäre auf alle Fälle mehr drin gewesen. So habe ich mich im Laufe der Vorwoche gefühlt, 5min/km kamen mir schnell vor, kommt da nicht eine Erkältung und der Oberschenkel zieht doch auch. Egal, gut geschlafen, Sonntagmorgen noch auf die Waage, 2kg weniger als letzes Jahr, keine Erkältung, keine Verletzung und auch das Wetter sollte perfekt werden, also Ausreden gab es jetzt keine mehr.

Meine Strategie war einfach, bewährt und ist auch das, was ich kann: konstant laufen, kämpfen und  dann mal sehen, was am Ende noch drin ist.
Meine angestrebtes Tempo war 4:11 min/km.
Wie ein Anfänger und gegen die Erfahrung aus 25 Jahre Laufjahren lief ich den 1. Kilometer bereits in 3:59min durch und km 3 sogar in 3:47min. Mein guter Vorsatz war dahin, normalerweise rächt sich das immer, verärgert über mich selbst nahm ich das Tempo raus, aber pendelte mich trotzdem bei 04:07min ein. 1:26:31h bei der Hälfte war zu schnell und ich rechnete schon früh mit einem Einbruch. Bei km 31 war es dann soweit: 10sec verloren, jetzt hieß es beißen, aber bei km 35 kamen dann weitere 10 sec dazu.
 
Glücklicherweise hatte ich Frank Rohmann als erfahrene Fahrradbegleitung in dieser Phase dabei, der mich mit Power Gels und Wasser versorgte und mich so über diese schwierige Phase brachte.
Was mir bei meinen ganzen Marathonläufen noch nie passiert ist und ich auch nicht für möglich gehalten habe, war, daß ich mich wieder erholte. Meine Zeiten lagen plötzlich teilweise wieder unter 04:10min. Beflügelt, aber auf dem letzten Zahn, näherte ich mich dem Ziel. Die Endzeit hatte ich unterwegs nie hochgerechnet, als ich dann auf die Zielgerade einbog und die 2:54 aufleuchten sah, war ich überrascht und glücklich. 2:54:35h - so schnell bin ich die letzten 15 Jahre nicht mehr gelaufen.
 
Was lernt ein alter Lauffuchs wie ich daraus oder was eigentlich jeder schon weiß:
- Der Marathon ist immer noch unberechenbar, oft mit negativen, aber manchmal auch mit positiven Überraschungen.
- Lange Läufe, die mir früher ein Greuel waren, sind die wichtigste Grundlage.
- Man sollte nicht zuviel Wert auf seine innere Stimme in der Vorwoche legen. Erst am Start kommt es darauf an.
- Das Gewicht muß stimmen.
- Richtige Verpflegung hilft, den Totpunkt zu überwinden.
- Egal wie der Rennverlauf ist: am Ende geht nichts mehr.
Ob ich mich beim nächsten mal an die guten Vorsätze erinnere, steht auf einem anderen Blatt. Jetzt heißt es erstmal erholen und den einen oder anderen Herbstlauf in Angriff nehmen.