Training wird vollkommen überwertet. Dies ist nicht wirklich ernst gemeint, aber manchmal geht es auch ohne viele Umfänge, man muß eben den perfekten Tag erwischen. So erging es mir beim Düsseldorf-Marathon am Sonntag, den 08.05. Jeder kennt das, schlechte Tage hat man viel häufiger, aber manchmal schlägt das Pendel auch in die andere Richtung aus. In der Vorbereitung hat ich einiges Verletzungspech und konnte 3 Wochen im März keinen Kilometer laufen und auch der April mit einem Umfang von 250km war nicht wirklich viel für eine Marathonvorbereitung. Ich hatte zwar das ganze Jahr über eine gute Form, aber seit einiger Zeit bekomme ich muskuläre Probleme bei schnellen Einheiten, die ich dann auch komplett in der Vorbereitung weggelassen habe. Ohne große Ambitionen oder angestrebter persönlicher Zielzeit reiste ich deshalb nach Düsseldorf. Die Vereinskollegen waren auch schon da und uns war klar, dass es heute für keinen von uns zur Bestzeit reichen würde. Düsseldorf war an dem Tag der heißeste Ort in Europa! Ob auch der windigste, weiss ich nicht, aber er wurde von allen als mindestens genauso störend empfunden wie die Hitze. Meine Taktik war es, so lange wie möglich mit der 3h-Gruppe mitzulaufen und dann am Ende ins Ziel zu quälen. Ein Kilometer nach dem anderen wurde runtergespult, mehr oder weniger konstant (da sollten die Tempomacher noch ein bisschen üben) und jede Getränkestation wurde mitgenommen. Nach 25km brach die Gruppe langsam auseinander, nach 30km fühlte ich mich noch gut und war plötzlich alleine unterwegs. Ein Tempomacher war ausgestiegen und die Gruppe war nicht wirklich mehr eine Gruppe. Es wurde dann auch ziemlich einsam, Mitläufer gab es keine mehr und die Läufer in Sichtweite vor mir konnte ich nach und nach einsammeln. Da ich mir keine Zielzeit vorgenommen hatte, war ich von der Einstellung her relativ entspannt, da ich auch mit einer 3:05 zufrieden gewesen wäre. Die Zuschauer waren in Hochform, die Verpflegung gut und häufig postiert, so gab es für mich auch keinen Einbruch. Klar, hart wird es beim Marathon immer, aber wir sind ja auch nicht auf einem Ponyhof und die letzten Kilometer mußte ich wieder richtig beißen. Ausgezahlt hat sich vor allem mein konstantes Tempo, zwischen meinem schnellsten und langsamsten Kilometer lagen nur 10sec, dass Trinken an jeder Verpflegungsstation und Power-Gels ab Kilometer 31, 2:58:46 standen im Ziel auf der Uhr, 42. im Gesamteinlauf von 2129 Teilnehmern. Aber wie das so ist, an manchen Tagen läuft es wie von selbst, an anderen kommt man 10min später ins Ziel, ist dafür aber doppelt so fertig. Mehr oder weniger ausgelaugt kamen die Kollegen ins Ziel und wir alle genehmigten uns noch das eine oder andere Alt beim Uerige in der Altstadt. Für mich war es ein rundum gelungene Veranstaltung. Ein Punkt ist noch anzumerken, die Strecke sollte nochmals vermessen werde, zwischen 300 und 500m hatten wir alle mehr auf unseren GPS-Uhren.





