Dank der Stunde Mehrschlaf wache ich am Sonntagmorgen vor meinem Wecker auf und habe genügend Zeit gemütlich meine Sachen zu packen, mit Sebastian, ein Freund bei dem ich netterweise übernachten durfte, zu frühstücken und dann in morgentlicher Sonntagsruhe die halbe Stunde nach Frankfurt zu fahren. In Frankfurt wechsele ich dann noch zur U-Bahn und habe gegen 8:30Uhr meine Startnummer in der Hand.
Wie üblich sind die Toiletten wieder mal brechend voll und schlangestehen ist angesagt. Naja, alles halb so wild. Ich hab noch genügend Zeit mich einzulaufen, nocheinmal die Schuhe zu schnüren und ging erstaunlich wenig nervös Richtung Start.
Da ich es für geschickt halte von vorne in den Startbereich zu gehen, steh ich plötzlich zwischen X Kenianern und internationalen Topläufern. In den Asics-Startblock, in den ich eigentlich will, lässt mich der Helfer nicht. Nun bin ich nervös. Noch einige Minuten bis zum Start, die Topathleten werden begrüßt, ich sehe Sebastian und Philipp noch am Rand stehen, dann beginnt der Countdown. 5 Meter vor mir steht Jan Fitschen, ich sehe einige Pace-Maker und dann geht's los. Direkt vor mir stürzt jemand, nochjemand stolpert und noch einer. Ich kann noch knapp ausweichen. Ein bisschen wie bei der Tour de France, wenn einer fällt, fallen mehrere.
Die ersten Kilometer stehen überall Menschen, die uns anfeuern. Eigentlich nicht nur auf den ersten Kilometern, immer wieder Publikum, Bands, Live-Musik, Straßenfeste. Das Wetter ist für Ende Oktober recht warm und ohne Regen, da stellt sich auch gerne mal der Normalo an die Straße, klatscht, ruft oder tutet mit irgendwas. Die Stimmung ist echt gut. Besondere Streckenpunkte sind beispielsweise die Oper, die man vier Mal passiert, und die Schleife am Ende der Mainzer Landstraße.
Zurück zu meinem Lauf. Nachdem ich mich bis zum 10. Km an einer Läuferin und ihrem Pace-Maker orientiere, bin ich schon etwas schneller als geplant. An einem leichten Anstieg atmet die Läuferin auf einem sehr schwer und kurz später sind die beiden weg. Ich laufe mit einem anderen einige Km, aber so wirklich findet sich keine Gruppe. Als es über den Main geht, sehe ich Kerstin, die mich anfeuert. Sehr cool, sogar Leute bei den Zuschauern, die ich wirklich kenne. Es geht am Main entlang, ich kann das Tempo halten und bei km20 findet sich eine kleine Gruppe von 4-5 Läufern zusammen. Eigentlich ideal, man könnte abwechselnd vorne laufen, sich gegenseitig pushen. Richtig, Konjunktiv. So gut wie die ganze Zeit laufe ich vorne, mache das Tempo. Lasse ich mich zurückfallen, werden wir langsamer - das ist auch doof. Also, weiter vorne laufen.
Irgendwo bei 24km sehe ich die Startnummer von Jan Fitschen auf der Straße liegen, kein gutes Zeichen, denke ich - zum Glück aber falscher Alarm.
Am Streckenrand reicht mir Philipp noch eine Trinkflasche und dann geht es auf die letzten 12km. Jetzt wird's schon gut anstrengend. Komm noch einmal um den Kemnader, ist mein Gedanke, als es noch 10km sind. Es geht die Mainzer Landstrasse schnurrgeradeaus, kilometerlang. Noch werde ich nicht langsamer.
Als ich mich umgucke, sehe ich.... einen. Nur noch einer?! Und er (Holger) meint, er kann nicht nach vorne, Krämpfe, Schmerzen. Mmmh, nun hilft ja nichts. Weiter geht's noch einmal das Lottental runter und wieder rauf. Die Musik an der Oper ist super laut, der Bass massiert einem quasi die Beine. Ich kann nocheinmal zulegen. Sammele einen und den anderen ein. 41km jetzt: jetzt geht's um die Ecke auf die Zielgerade. Mein Laufstil fühlt sich an, als jage ich irgendwas. Noch zwei Läufer in Sichtweite, die hab ich, der Mann mit dem Hammer (eine Skulptur am Messeturm) "winkt" mir zu, noch 200m die Uhr zeigt 2:35:24 Std. Aua, aua, aua.... aber es reicht. Kein "schöner" Zieleinlauf, aber schnell. Von der Stimmung und den Leuten in der Festhalle bekomme ich fast nichts mit, ich hab nur die Uhr im Blick. Nach 2:35:53 Std. und als 111 unter den Männern bin ich im Ziel.





